Ernst Zander-Preis 2020

18.09.2020

Am 17.9.2020 wurde der Ernst Zander-Preis 2020 vergeben. Durch diesen von Herrn Prof. Dr. Ernst Zander gestifteten Preis werden alljährlich herausragende wissenschaftliche Leistungen (vorrangig Dissertationen) aus allen Fakultäten der Ruhr-Universität, insbesondere aus den Fakultäten für Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft und Ingenieurwissenschaft ausgezeichnet.

Die Auswahl der preiswürdigen Arbeiten erfolgt - auf Vorschlag des Instituts für Unternehmensführung (ifu) der Ruhr-Universität Bochum - durch den Vorstand der Alwin Reemtsma-Stiftung, dem u.a. die Kanzlerin der Ruhr-Universität angehört.

Den Ernst Zander-Preis erhielten in diesem Jahr Frau Dr. Lisa Grandjean („Strategisches Controlling hybrider Leistungsbündel unter Anwendung der Balanced Scorecard“, Betreuerin: Prof. Dr. Marion Steven) und Frau Dr. Pia Steenweg („Integrating employee preferences into optimization models for personnel planning at various decision levels“, Betreuerin: Prof. Dr. Brigitte Werners).

Frau Dr. Grandjean war bis August 2019 am Lehrstuhl für Produktionswirtschaft von Frau Prof. Dr. Marion Steven als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig und war zugleich in dem von der DFG geförderten Sonderforschungsbereich "Engineering hybrider Leistungsbündel" aktiv. Seit September 2019 arbeitet sie bei der Bosch Rexroth AG im Controlling.

Frau Dr. Pia Steenweg war bis Februar 2020 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensforschung und Rechnungswesen von Frau Prof. Dr. Brigitte Werners tätig.
Seit März 2020 arbeitet sie als kaufmännische Projektverantwortliche beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW.

Knauer Steenweg Werners
Das Foto zeigt v.l.n.r.: Prof. Dr. Thorsten Knauer, den geschäftsführenden Direktor des Instituts für Unternehmensführung, der die Preisverleihung vorgenommen hat, Dr. Pia Steenweg und Prof. Dr. Brigitte Werners, die Betreuerin der Arbeit von Dr. Pia Steenweg.
© Fiebrandt
Steven
Das Foto zeigt Prof. Dr. Marion Steven, die in Vertretung ihrer aufgrund dringender dienstlicher Erfordernisse kurzfristig verhinderten Doktorandin Dr. Lisa Grandjean die Urkunde entgegengenommen hat.
© Fiebrandt



Strategisches Controlling hybrider Leistungsbündel unter Anwendung der Balanced Scorecard
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sieht sich in Anbetracht der fortschreitenden Globalisierung und der damit verbundenen Konkurrenz zunehmend Herausforderungen gegenübergestellt. Um sich in diesem Umfeld von Wettbewerbern zu differenzieren, erweitern viele Unternehmen ihr Leistungsspektrum um produktbegleitende Dienstleistungen zum Angebot von kundenindividuellen hybriden Leistungsbündeln.
Für ein unter ökonomischen Gesichtspunkten erfolgreiches Angebot von hybriden Leistungsbündeln ist ein speziell dafür ausgerichtetes strategisches Controlling erforderlich. Dieses unterstützt die Unternehmensführung bei der Planung, Steuerung und Kontrolle der hybriden Leistungsbündel, sodass möglichst viele Synergiepotenziale, die sich aus dem gemeinsamen Angebot von Sach- und Dienstleistungen ergeben, auszuschöpfen.
In diesem Kontext wird die Balanced Scorecard als strategisches Kennzahlensystem eingesetzt. Zunächst stellt Frau Dr. Lisa Grandjean theoriegeleitet eine grundlegende Konzeption einer Balanced Scorecard für hybride Leistungsbündel vor. Anschließend wird eine unternehmensindividuelle Unterstützung zur Auswahl der relevanten Kennzahlen mittels eines Data Envelopment Analysis basierten Verfahrens entwickelt und anhand eines Anwendungsbeispiels veranschaulicht. Mithilfe dieses Verfahrens ist es Unternehmen möglich, genau die Kennzahlen auszuwählen, die für die Steuerung ihrer hybriden Leistungsbündel zweckmäßig sind.

Integrating employee preferences into optimization models for personnel planning at various decision levels
Unsere heutige Welt erfordert z.B. in Kraftwerken oder bei Rettungsdiensten rund um die Uhr einen Betrieb mit ausreichend Personal. Für Arbeitnehmer bedeutet der Schichtbetrieb große Einbußen, da sie häufig an Wochenenden arbeiten. Um bestmöglich am sozialen Leben teilhaben zu können, spielt die Planbarkeit von Arbeit, Dienstfrei und Urlaub eine essenzielle Rolle. Hierfür ist ein Dienstplan vorteilhaft, der auf einem sogenannten zyklischen Schichtmodell basiert, da sich die Schichten in überschaubaren Abständen von wenigen Tagen wiederholen und auf Jahre planbar sind. Auch aus Sicht des Personalverantwortlichen bietet ein zyklisches Schichtmodell den Vorteil, dass sich der Planungsaufwand im täglichen Betrieb deutlich reduziert. Mit der hochkomplexen Analyse und Erarbeitung eines für das Unternehmen geeigneten Schichtmodells geht einmalig ein erheblicher Aufwand einher. Dieser entsteht durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die verschiedenen Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die zu berücksichtigen sind und zu Zielkonflikten führen können.
Zur Unterstützung der Personalverantwortlichen können Methoden des Operations Research effizient genutzt werden. Frau Dr. Steenweg setzt diese in ihrer Arbeit ein, um Mitarbeiterpräferenzen bei der Dienstplanung zu integrieren. Sie entwickelt Optimierungsmodelle für ein innovatives zyklisches Schichtmodell und eine mitarbeiterorientierte Jahresurlaubsplanung. Die festgelegten und vorteilhaften Schichtfolgen und die maximale Anzahl freier Wochenenden sorgen für eine breite Akzeptanz. Das Schichtmodell wurde in Fallstudien validiert und 2018 durch den Rettungsdienst der Stadt Bochum übernommen. Mit einem innovativen Rahmenwerk evaluiert Frau Dr. Steenweg, inwiefern der strategische Dienstplan trotz operativer Unsicherheiten durch ausfallende Mitarbeiter die Besetzungssicherheit gewährleistet. Dabei werden auch die verschiedenen Qualifikationsprofile in der Belegschaft berücksichtigt. Frau Dr. Steenweg befasst sich neben der Arbeitszeitgestaltung auch mit Arbeitsabläufen, indem sie Abteilungen zu Büroräumen optimal zuordnet: Kurze Wege innerhalb der eigenen und zu inhaltlich angrenzenden Abteilungen werden ebenso angestrebt wie die Erfüllung der gewünschten Lage im Gebäude. Diese Forschungsergebnisse werden ebenfalls in Fallstudien mit realen Daten auf ihre praktische Anwendbarkeit untersucht.