Fachtagung: Industrialisierung in europäischen Regionen

Konferenz am 09.11. - 11.11.2011 in Bochum

Industrialisierung in europäischen Regionen

Gemeinsame Konferenz des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte und des Instituts für soziale Bewegungen

Die Phase der Industrialisierung war für Europa prägend, jedoch verlief die industrielle Entwicklung nicht gleichförmig. Regional differierten Umfang, Zeitpunkt und die Bedeutung einzelner Wirtschaftszweige. Während einige Regionen früh eine führende Rolle im Prozess der Industrialisierung einnahmen, entwickelte sich die industrielle Produktion in anderen Gebieten zeitlich verzögert oder weniger expansiv. Europaweit entstanden unterschiedlich strukturierte Industrieräume, deren Denkmäler heute erkennen lassen, welche bedeutende Rolle die Industrie einst spielte respektive welche strukturellen Veränderungen die Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte mit sich brachten. Industrialisierung kann auf verschiedenen Ebenen und aus variierenden Perspektiven betrachtet werden: Räumliche, zeitliche und sektorale Dimensionen der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung sowie die Industriekultur europäischer Regionen bilden den Rahmen der Konferenz.

In Abgrenzung zur älteren nationalstaatlich orientierten Industrialisierungsforschung bieten regionale Ansätze die Möglichkeit, historische, interdisziplinäre und vergleichende Studien durchzuführen. Durch eine Erweiterung des Zeithorizonts bis in die Gegenwart kann der Blick auf die Verankerung des industriellen Erbes in der heutigen Gesellschaft gelenkt werden. Dabei steht nicht mehr der Strukturwandel von vorindustriell geprägten Regionen zu Industrieräumen im Mittelpunkt, sondern der Umbau ehemaliger Produktionsstätten zu Orten, an welchen Dienstleistung und Konsum konstituierend sind.

Frühe europäische Industrieregionen, Industrialisierung in Regionen des 19. Jahrhunderts und europäische Industriekultur sind die vorgesehenen Themenbereiche der Konferenz:

  • In der frühen Phase der Industrialisierung entwickelten sich in einigen geografisch begrenzten Gebieten neue Techniken, die später wirtschaftliches und industrielles Wachstum ermöglichten. Solche Pionierregionen der Industrialisierung, deren Aufstieg im 18. Jahrhundert begann, können vor allem in Großbritannien und im westlichen Teil Kontinentaleuropas verortet werden.
  • Das 19. Jahrhundert führte Europa in die industrielle Moderne: Gesellschaftliche, politische, technische und wirtschaftliche Umbrüche brachten in vielen Bereichen Veränderungen und prägten den Raum auf verschiedene Weise. Die wirtschaftliche und technologische Entwicklung führte zu regionalen Differenzierungen; es bildeten sich neben zentralen Führungsregionen periphere Räume der Industrialisierung heraus.
  • Neunutzung und Musealisierung ehemaliger Industrieanlagen zeigen sowohl ein verändertes Selbstverständnis als auch eine gestiegene Sensibilität im Umgang mit industriekulturellem Erbe. Ein zunehmendes politisches und ökonomisches Interesse an Industriekultur sowie Konzepte der ökologischen, städtebaulichen Umgestaltung von Industrieräumen können somit eine Stabilisierung und Aufwertung einer Region nach einer Phase der Deindustrialisierung bewirken.

Ziel der Konferenz ist es, eine regionale Perspektive auf Fragen der Industrialisierung mit einer europäischen Blickrichtung zu verbinden. Dies soll dazu beitragen, europäische Regionen in Phasen des Strukturwandels zu vergleichen und ihre Industrialisierung auf Basis theoretischer und empirischer Untersuchungen interdisziplinär zu diskutieren sowie das Verständnis dieser Prozesse zu erweitern.
Die Konferenz findet vom 9.-11. November 2011 im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum statt.
 

Tagungsprogramm

Kontakt:

Juliane Czierpka juliane.czierpka@ruhr-uni-bochum.de
Nora Thorade  nora.stumpe@ruhr-uni-bochum.de
Kathrin Oerters kathrin.oerters@ruhr-uni-bochum.de

Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte